Betriebsschließung in der AutomobilindustrieWie gelingt eine fristgerichte Umsetzung?

Was war die Ausgangssituation im Projekt zur Betriebsschließung?

Die Case Study beschreibt einen deutschen Standort eines internationalen Konzerns aus der Automotive-Branche (Supplier). Bereits vier Jahre vor Projektbeginn wurde entschieden, den Produktionsstandort in Deutschland zu schließen und einzelne Bereiche, insbesondere das Engineering, ins Ausland zu verlagern.

Zunächst verfolgte das Unternehmen das Ziel, gemeinsam mit den Mitarbeitenden eine einvernehmliche Lösung im Rahmen einer Aufhebung zu finden. Aufgrund strukturschwacher regionaler Bedingungen warteten jedoch viele Mitarbeitende die Entwicklung ab. Das Projekt stagnierte über Jahre hinweg – während gleichzeitig die Produktionsverlagerung ins Ausland bereits fortschritt.

Welche Herausforderungen bestanden bei der Umsetzung der Standortschließung?

Die zentrale Herausforderung lag in der stark verzögerten Umsetzung der ursprünglich geplanten Maßnahmen. Zum Zeitpunkt des Projektstarts war bereits ein Verlagerungsgrad von 40 % erreicht – mit steigender Dynamik.

Weitere Herausforderungen waren:

•Fehlende Fortschritte bei freiwilligen Lösungen mit Mitarbeitenden

•Zeitdruck durch bereits laufende Produktionsverlagerungen

•Komplexe Abstimmungen mit internen und externen Stakeholdern

•Notwendigkeit arbeitsrechtlich sauberer Prozesse gemäß Kündigungsschutzgesetz (KSchG)

•Unterstützung eines unerfahrenen HR-Teams während eines kritischen Transformationsprozesses

Welche Rolle übernahm das Interim Management im Projekt?

Die eingesetzte Interim Managerin (Leitung Human Resources – Abwicklung) wurde nach mehreren HR-Wechseln berufen, um die Betriebsschließung strukturiert und zielgerichtet umzusetzen.

Ihre Aufgaben umfassten:

•Durchführung einer fundierten Unternehmens- und Fortschrittsanalyse

•Beratung des internationalen CEOs hinsichtlich einer kollektivrechtlichen Lösung

•Erstellung einer umfassenden Stakeholder-Analyse

•Entwicklung eines klaren Kommunikationsplans

•Ausarbeitung einer detaillierten Ablauf- und Prozessbeschreibung für die Schließung

Ziel war es, den Übergang von einer stagnierenden Situation zu einem strukturierten, rechtssicheren Prozess zu gestalten.

Welche konkreten Maßnahmen wurden zur erfolgreichen Betriebsschließung umgesetzt?

Zur Umsetzung der Standortschließung wurden mehrere zentrale Maßnahmen ergriffen:

Budgetierung aller Kosten bis zur finalen Schließung, einschließlich der im Sozialplan zu verhandelnden Abfindungen

•Verhandlung und Abschluss eines Interessenausgleichs mit Namensliste gemäß § 1 Abs. 5 KSchG

•Erstellung und Abschluss eines Sozialplans

•Durchführung von Trennungsgesprächen gemeinsam mit dem Betriebsrat

•Steuerung der gesamten operativen Umsetzung, inklusive:

•Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit

•Organisation der Zustellung von Kündigungsschreiben

•Koordination mit einem unerfahrenen internen HR-Team

Diese strukturierte Vorgehensweise stellte sicher, dass alle arbeitsrechtlichen und organisatorischen Anforderungen erfüllt wurden.

Welche Ergebnisse wurden durch das Projekt erzielt?

Das Projekt konnte erfolgreich und innerhalb der gesetzten Fristen abgeschlossen werden. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Einhaltung der Deadline, die vom internationalen Controlling vorgegeben wurde

•Vollständige und transparente Kostenplanung und Budgetkontrolle

•Rechtssichere Umsetzung aller arbeitsrechtlichen Maßnahmen

•Erfolgreicher Abschluss von Interessenausgleich und Sozialplan

•Professionelle Begleitung aller Trennungsprozesse

Quote von 0 % Kündigungsschutzklagen

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie eine komplexe Betriebsschließung durch strukturiertes Interim Management effizient und rechtssicher umgesetzt werden kann.

FAQHäufig gestellte Fragen

Eine rechtssichere Betriebsschließung erfordert die Einhaltung arbeitsrechtlicher Vorgaben, insbesondere die Verhandlung eines Interessenausgleichs und Sozialplans mit dem Betriebsrat sowie die Berücksichtigung des Kündigungsschutzgesetzes (KSchG). Eine strukturierte Planung und juristische Begleitung sind essenziell.

Ein Interim Manager übernimmt temporär Führungsverantwortung, bringt externe Expertise ein und sorgt für eine schnelle, strukturierte Umsetzung komplexer Projekte wie Standortschließungen, Restrukturierungen oder Transformationen.

Ein klarer Kommunikationsplan sorgt für Transparenz, reduziert Unsicherheiten bei Mitarbeitenden und Stakeholdern und trägt maßgeblich zur Akzeptanz der Maßnahmen sowie zum reibungslosen Ablauf des Projekts bei.

Die Projektleiterin