Warum Interim Management und strategische Beratung zusammengehören
Transformation ist heute kein abstraktes Konzept mehr, sondern tägliche Realität für Unternehmen. Digitalisierung, geopolitische Unsicherheiten und der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz stellen Organisationen vor tiefgreifende Veränderungen. Doch viele Transformationsprojekte scheitern nicht an der Strategie – sondern an der Umsetzung.
Im Gespräch erläutert Bernd Fischer, erfahrener Transformationsexperte und CEO der F&P Executive Solutions AG, warum sich klassische Beratung und Interim Management zunehmend verzahnen – und weshalb genau darin die Zukunft der Branche liegt.
Bernd Fischer verfügt über langjährige Erfahrung in der Begleitung komplexer Transformations- und Restrukturierungsprojekte für Konzerne, Mittelstand und KMU.
Als Führungskraft und Berater verbindet er strategische Expertise mit operativer Umsetzungskompetenz. Sein Fokus liegt darauf, Unternehmen nicht nur konzeptionell zu unterstützen, sondern Veränderungen nachhaltig in der Organisation zu verankern. Hierzu muss man beide Rollen beherrschen, die des Beraters und die des operativ tätigen Interim Managers.
„Die Trennung zwischen Beratung und Umsetzung funktioniert nicht mehr“
Frage: Herr Fischer, was hat Sie dazu bewegt, sich aktuell mit dem Zusammenspiel von Interim Management und Beratung zu beschäftigen?
Bernd Fischer:
Wir beobachten aktuell einen klaren Wandel im Markt. Klassische Beratungsfirmen stoßen zunehmend an Grenzen – insbesondere, wenn es darum geht, operative Umsetzung sicherzustellen. Gleichzeitig wird Interim Management immer stärker als echte Alternative wahrgenommen. So zeigt sich, dass immer mehr Beratungsfirmen das Interim Management als Aktionsfeld sehen und es mit eigenen Mitarbeitern versuchen, denen jedoch die operative Erfahrung fehlt. Da die klassischen Interim Professionals nicht aus der Beratung kommen, wird hier enormes Potenzial verschenkt.
Das hängt auch damit zusammen, dass sich die Anforderungen verändert haben. Analytische Leistungen verlieren an Bedeutung, unter anderem durch den Einsatz von KI. Dafür steigt die Nachfrage nach Umsetzungsstärke. Genau deshalb lassen sich Beratung und Interim Management heute kaum noch sinnvoll trennen. Während die Beratungsfirmen die Chance ergreifen, verharrt die Interim Branche in der Starre und nutzt zu wenig die Chance, sich vom Kuchen der Berater eine große Scheibe abzuschneiden und Markanteile abzujagen vom 50 Mrd. Beratungsmarkt.
„Next Generation Interim Management – Strategiewechsel erforderlich“
Frage: Herr Fischer, warum haben bis heute so wenige Marktakteure im Interim Management diese Chance des Zusammenschlusses erkannt?
Bernd Fischer:
Der Zusammenschluss von studierten Experten kennt man aus zahlreichen Katalogberufen der Freiberufler. So gibt es tausende Anwaltskanzleien, Arztpraxen, Steuerberater, die unter dem Dach einer starken Marke diversifizierte Leistungen anbieten und gemeinsam abrechnen. Das x-selling ist dort in der DNA verankert. Auch viele Beratungshäuser wie PwC, für die ich bereits gearbeitet hatte, treten als Partnerschaften auf, jedoch meist in Festanstellung und gleichzeitig als Shareholder.
Das Interim Management wurde geprägt von erfahrenen Managern, die aus der Not heraus oder freien Stücken sich als Manager auf Zeit selbständig gemacht haben und seit Jahrzehnten von den hierauf spezialisierten Providern vermittelt werden. Manager werden auf Plattformen nicht mit Klarnamen geführt, damit die Vertriebsleistung in Form von Provisionen garantiert wird.
Dieses Geschäftsmodell stößt schon lange an seine Grenzen. Firmen können Manager auch direkt buchen und der Mehrwert der Recherche ist kaum zu rechtfertigen. Es liegt an den Verbänden, diesem Trend entgegenzuwirken und neue Geschäftsmodelle zu fördern. So sind Partnerschaften im Interim Management eine herausragende Lösung, einerseits seine Freiberuflichkeit zu bewahren, andererseits im Team zusammen Kundenlösungen zu entwickeln, die Einzelkämpfer und Provider nicht anbieten könnten. In diesem New Operating Model liegt die größte Wachstumschance für Manager auf Zeit.
„Grenzen überwinden, Teams stellen“
Frage: Herr Fischer, was hat Sie dazu bewegt, beide Lösungen für Entscheider anzubieten?
Bernd Fischer:
Die Gründungsidee der F&P basierte bereits als Business Plan im Jahr 2008 auf beiden Säulen. Aus großen Transformationsprojekten, den Übernahmen der Wella AG sowie der Gillette Gruppe durch Procter & Gamble habe ich sehr viel Know-how erworben, wie man einerseits analytisch und konzeptionell agieren kann, als operativer Manager war es meine Aufgabe die Konzepte zu implementieren.
In meinem ersten Mandat für die Beiersdorf AG hatten wir das seinerzeit größte SCM-Projekt des Traditionskonzerns zusammen mit einem Beratungshaus gestemmt. Analyse, Konzeption und Umsetzungsberatung der Manager des Kunden vor Ort.
Wir haben ein Team von 3 externen Interim Managern zusammengeschweißt, die als Partnerschaft zusammen sich gegenüber dem Kunden und dem Interim Provider perfekt aufstellen konnten. In diesem Set-Up war die Gründungsidee der seinerzeitigen Fischer & Partner, kurz F&P, eingespielte Teams zu stellen. Bis heute können wir auf eine Vielzahl an Referenzprojekten verweisen, wo selbst herausragende Top Beratungen uns Managern zuarbeiten mussten.
Heute spiegelt sich dieser Ansatz auch in unserem Geschäftsmodell wider: Die F&P erzielt inzwischen einen Umsatzsplit von rund 50/50 zwischen Beratungs- und Interim-Mandaten.
„Viele Projekte scheitern nicht an der Strategie, sondern an der Umsetzung“
Frage: Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass so viele Transformationsprojekte scheitern?
Bernd Fischer:
Ein häufiges Problem ist, dass Unternehmen mit Konzepten allein gelassen werden. Strategien sind oft gut ausgearbeitet – aber es fehlt an konkreten Handlungsanweisungen und vor allem an Erfahrung in der Umsetzung. Hinzu kommen Ängste, dass die interne Reputation durch unangenehme Projekte leidet, die oftmals mit einschneidenden Veränderungen einhergehen. Interim Manager dienen der Sache, sind neutral und klären den Kunden über die Optionen schonungslos auf. Sie sind Sparringspartner der obersten Führungsebene, die Interim Manager zumindest in KMU und Mittelstand beauftragt.
Transformation bedeutet, Dinge tatsächlich zu verändern – Prozesse, Strukturen, oft auch Kultur. Dafür braucht es Menschen, die operative Erfahrung mitbringen und wissen, wie man Projekte strukturiert umsetzt. Und in vielen Fällen fehlt einem einzelnen Interim Manager das x-funktionale Know-how. In Team einer Interim Management Sozietät ist durch Know-how Transfer sichergestellt, dass wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette denken und Kundenlösungen entwickeln.
Genau hier setzen wir an: Wir bringen Teams in die Organisation, die nicht nur beraten, sondern die Umsetzung aktiv mitgestalten und bis zum Abschluss begleiten. Der Kunde hat einen Projektleiter, der Beratung und Umsetzung mit einem gesamten Team koordiniert und monatlich abrechnet.
Auch aktuell haben wir hier wieder Mandate, die Teams erfordern, das derzeit größte umfasst 4 Berater und Manager der F&P.
„Interim Manager bringen Erfahrung und Neutralität gleichzeitig mit“
Frage: Welche Rolle spielen Interim Manager in Zeiten von Unsicherheit und Transformation?
Bernd Fischer:
Interim Manager haben einen großen Vorteil: Sie bringen Erfahrung aus unterschiedlichsten Unternehmen und Situationen mit. Dadurch können sie sehr schnell Mehrwert schaffen.
Gleichzeitig sind sie unabhängig von internen Strukturen und politischen Dynamiken. Sie können Entscheidungen sachlich treffen und sich voll auf die Aufgabe konzentrieren.
Gerade in Transformationsprojekten – etwa bei Digitalisierung oder neuen Technologien – ist diese Kombination aus Erfahrung und Neutralität extrem wertvoll.
„Transformation funktioniert nur ganzheitlich“
Frage: Was bedeutet der integrierte Ansatz konkret?
Bernd Fischer:
Transformation betrifft immer das gesamte Unternehmen. Es reicht nicht, einzelne Bereiche zu optimieren. Silodenken und Insellösungen müssen überwunden werden.
Ein integrierter Ansatz bedeutet, die komplette Wertschöpfungskette zu betrachten – von Marketing und Vertrieb bis hin zu Supply Chain, IT, Finance und HR. Alles ist miteinander verbunden.
Gleichzeitig müssen die Mitarbeiter aktiv in den Veränderungsprozess eingebunden werden. Und ohne klare Unterstützung durch die Geschäftsführung lassen sich solche Projekte ohnehin nicht erfolgreich umsetzen.
„Operative Erfahrung ist der entscheidende Unterschied“
Frage: Was unterscheidet Ihr Modell von klassischen Beratungen?
Bernd Fischer:
Der größte Unterschied ist die operative Erfahrung. In klassischen Beratungen fehlen oft genau diese praktischen Einblicke. Beratungsfirmen rekrutieren sich in vielen Fällen von Absolventen von Hochschulen, die keinerlei operative Erfahrung haben. Dennoch werden sie im Mix mit Senior Managern und Partner hochpreisig vermarktet.
Unsere Partner haben alle langjährige Führungserfahrung. Sie kennen die Herausforderungen aus eigener Verantwortung und begegnen Entscheidern auf Augenhöhe. Und wir liegen im Pricing im Premium Segment des Interim Managements, jedoch bieten wir preislich unter den klassischen Beratungsfirmen an.
Diese Kombination aus analytischer Stärke und operativer Umsetzungskompetenz ist aus unserer Sicht der Schlüssel für erfolgreiche Transformation.
„Sichtbarkeit schafft Vertrauen und neue Möglichkeiten“
Frage: Welche Rolle spielt LinkedIn für Ihre Arbeit?
Bernd Fischer:
LinkedIn ist für uns ein zentraler Kanal, um unser Modell sichtbar zu machen. Wir erreichen dort eine große Zielgruppe und können unsere Inhalte gezielt platzieren.
Durch Fachbeiträge, Case Studies und Einblicke in unsere Projekte schaffen wir Vertrauen und zeigen, wie unser Ansatz in der Praxis funktioniert. Gleichzeitig gewinnen wir darüber neue Kunden und Partner.
„Die Zukunft gehört integrierten Modellen“
Frage: Wie wird sich die Beratungsbranche weiterentwickeln?
Bernd Fischer:
Die Branche befindet sich im Wandel. Klassische Beratung wird sich stärker in Richtung Umsetzung entwickeln müssen.
Wir sehen bereits heute, dass sich Beratung und Interim Management zunehmend annähern. Kooperationen nehmen zu, Modelle werden integriert.
Unser Ansatz – die Verbindung aus Strategie und Umsetzung – wird sich langfristig durchsetzen, weil er den tatsächlichen Bedarf der Unternehmen adressiert. Wir nennen es seit vielen Jahren Executive Solutions, also übergreifende Lösungen für Entscheider von Unternehmern, die weit über die Beratung hinausgehen.
„Interim Management ist mehr als nur eine Übergangslösung“
Frage: Was ist Ihre zentrale Botschaft an Entscheider?
Bernd Fischer:
Interim Management wird häufig unterschätzt. Es geht nicht um kurzfristige Überbrückung. sondern um hochqualifizierte Managementexpertise auf Zeit.
Unternehmen können auf erfahrene Führungskräfte zugreifen, die sowohl strategisch als auch operativ arbeiten – und das auch in eingespielten Teams.
Ich empfehle Entscheidern, sich stärker für dieses Modell zu öffnen. Es ist eine echte Alternative zur klassischen Beratung – insbesondere in komplexen Transformationssituationen.
Frage: Welche Initiativen haben Sie geplant, um dieses New Operating Model erlebbar zu machen.
Bernd Fischer:
F&P ist seit vielen Jahren Partner der großen Verbände und Initiativen wie dem AIMP (Association of Interim Management Professionals) sowie der DDIM (Dachgesellschaft deutsches Interim Management e.V.). Hier machen wir unseren Einfluss geltend und werben für neue Formen der Zusammenarbeit.
Die zahlreichen Branchenevents beider Institutionen geben uns die Möglichkeit, Partner für diese neue Lösungsansätze zu gewinnen. Wir kooperieren mit Providern und renommierten Beratungsfirmen.
Auch die anstehende Publikation im Handelsblatt bietet uns in der Vermarktung Chancen, die ohne den Support des AIMP und DDIM kaum möglich wäre.
Die F&P sieht sich seit vielen Jahren als Trendsetter. Wir haben bereits 2009 Fachgruppen von Interim Managern gelauncht und seitdem viele Nachahmer gesehen, die diese Idee teils kopiert haben. Wir finanzieren unsere Firma als Aktiengesellschaft, um interessierten Interim Managern einzigartige Mitsprache- und Gewinnbezugsrechte zu ermöglichen. Eine echte Partnerschaft auf Augenhöhe. Die Stärke unsere Partnerschaft zeigt sich, wie robust wir die Marktschwäche im Interim Management in 2025 gemeistert haben. In Q1/2026 erzielen wir in Umsatz und Ergebnis Rekordwerte, ein Leistung, die nur im Team erreicht werden konnte gemäß unseres Mottos ‚better together“
