Prof. Dr. Henning Werner antwortet im Interview auf aktuellste Fragen, die sich Unternehmer und Geschäftsführer von krisengeschüttelten Unternehmen stellen.

Der Experte im Bereich Sanierung, Prof. Dr. Henning Werner, Leiter des IfUS Instituts, antwortet im ausführlichen Interview dem IfUS zertifizierten Sanierungsexperten und Partner der F&P AG, Wilhelm Dahm, auf zahlreiche Fragen rund um das Thema Unternehmenssanierung.

Ziel des StaRUG ist es, dem Unternehmer ein Werkzeug in die Hand zu geben, sich weit vor Eintritt der Insolvenztatbestandes und außerhalb der Insolvenzordnung mit gerichtlicher Unterstützung zu sanieren. Hierzu muss er eine Liquiditätsberechnung über 24 Monate erstellen, um die drohende Zahlungsunfähigkeit frühzeitig zu erkennen. In der Praxis ist eine 24-monatige Liquiditätsplanung zuverlässig kaum möglich.
Herr Prof. Dr. Werner, welche Maßnahmen müsste aus Ihrer Sicht der Geschäftsführer ergreifen, um einer möglichen Haftung vorzubeugen?

Prof. Dr. H. Werner
Mit dem am 01. Januar 2021 in Kraft getretenen Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (StaRUG) wurde ein gänzlich neues Sanierungsinstrument geschaffen. Kurz gesagt kann das StaRUG immer dann zum Einsatz kommen, wenn 75 % einer betroffenen Gläubigergruppe einem Vergleich zustimmen, aber einzelne Minderheitsgläubiger diesen Vergleich blockieren. In solchen Fällen können Minderheitsgläubiger auch gegen ihren Willen in den Vergleich einbezogen werden. Damit kann das StaRUG eine Sanierung ermöglichen, die außergerichtlich konsensual nicht möglich war.

Weitere Vorteile des Verfahrens sind, dass die Entscheidungskompetenzen bei der Geschäftsführung verbleiben und das Verfahren im Stillen durchgeführt werden kann, also keine Publizitätspflicht besteht.

Der Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen kann nur in der Phase genutzt werden, in der eine drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO) besteht, aber noch keine eingetretene Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO) oder Überschuldung (§ 19 InsO).

Um zu prüfen, ob eine drohende Zahlungsunfähigkeit vorliegt, ist eine Liquiditätsplanung für die nächsten 24 Monaten aufzustellen. Dies ist gesetzlich so vorgesehen. Insofern gibt es keine Alternative zur Implementierung einer Planung für 24 Monate, insbesondere wenn die wirtschaftliche Lage angespannt ist. Im Übrigen sind Geschäftsführer und Vorstände gesetzlich verpflichtet, geeignete Systeme zur Krisenfrüherkennung und Krisenabwehr zu implementieren (§ 1 StaRUG).

RestrukturierungNeben der Frage der Zuverlässigkeit einer solchen Planung stellt sich auch hier die Frage, wie der Geschäftsführer bei einem solchen langen Planungszeitraum das Einleiten einer Sanierungsmaßnahme über den StaRUG gegenüber den Gesellschaftern rechtfertigen kann, um nicht als “Schwarzmaler” gebrandmarkt zu werden oder ihm gar geschäftsschädigendes Verhalten vorgeworfen wird?

Wenn ein Geschäftsführer seinem Gesellschafter auf Basis einer nachvollziehbaren Planung darlegen kann, dass die Einleitung von Sanierungsmaßnahmen notwendig ist, sollte dieser eher dankbar sein, statt seinen Geschäftsführer als „Schwarzmaler“ abzutun. Ich denke in einer solchen Situation stimmt die Vertrauens- und Kommunikationsebene nicht. Dies ist übrigens ein typisches Merkmal einer Stakeholder Krise. Aus meiner Sicht ist es wichtig, auf Basis einer validen Planung klar zu kommunizieren, die Probleme sowie entsprechende Lösungsvorschläge aufzuze