Wie gelingt ein erfolgreicher Turnaround im Stahlbau?Operative Restrukturierung im Maschinenbau

Was war die Ausgangssituation im Maschinen- und Apparatebau-Unternehmen?

Ein mittelständisches Unternehmen im Maschinen- und Apparatebau mit Fokus auf komplexe Stahlbaukomponenten (ca. 23 Mio. € Umsatz, 170 Mitarbeitende) stand vor einer klassischen Turnaround-Situation.

Der Standort war wirtschaftlich belastet und musste gleichzeitig zwei anspruchsvolle Geschäftsmodelle bewältigen: Serienfertigung und Projektgeschäft. Zusätzlich erhöhte ein Betriebsübergang gemäß § 613a BGB den Handlungsdruck erheblich.

Typische Herausforderungen waren:

Hohe operative Komplexität in Produktion und Auftragsabwicklung

Geringe Transparenz über Kosten- und Ergebnistreiber

Fehlende klare Verantwortlichkeiten und Steuerungsmechanismen

Schwache Verzahnung zwischen technischen und kaufmännischen Bereichen

Ziel war ein vollständiger operativer Turnaround: Stabilisierung des Werks, Rückführung der Verluste und Aufbau einer nachhaltigen, ertragsorientierten Steuerung.

Welche Aufgaben übernahm der COO (Operativer Leiter) im Projekt?

Im Rahmen eines „COO on Demand“-Mandats wurde die vollständige operative Führungsverantwortung übernommen.

Der Fokus lag auf:

  • Leitung aller produktionsnahen Bereiche (Produktion, Qualität, AV, Einkauf, Logistik, Technik, Instandhaltung)
  • Steuerung von Mengen- und Ergebnisplanung, Forecasts und Personalplanung
  • Reporting an Geschäftsführung und Konzernvorstand
  • Umsetzung einer umfassenden Restrukturierung und Reorganisation

Darüber hinaus wurden zentrale Steuerungsinstrumente neu aufgebaut:

  • Kalkulationslogik und Kostenrechnung
  • Angebots- und Preisdisziplin
  • Einheitliches KPI- und Zielsystem zur Standortsteuerung

Damit wurde die Grundlage für Transparenz, Steuerbarkeit und nachhaltige Ergebnisverbesserung geschaffen

Welche Maßnahmen wurden zur operativen Restrukturierung umgesetzt?

Die Restrukturierung folgte einem integrierten, operativ getriebenen Ansatz mit klarer Ergebnisorientierung.

Zentrale Maßnahmen waren:

Operative Stabilisierung und Reorganisation

  • Neuordnung von Produktions- und Unterstützungsprozessen
  • Klärung von Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswegen
  • Einführung verbindlicher Steuerungs- und Umsetzungsmechanismen

Aufbau eines integrierten Steuerungsmodells

  • Einführung von Mengen- und Ergebnisplanung
  • Systematisches Forecasting und Personalplanung
  • Transparenz über Kapazitäten, Auslastung und operative Risiken

Verbesserung der kaufmännischen Steuerung

  • Neuausrichtung von Kalkulationslogik und Kostenrechnung
  • Einführung konsequenter Preis- und Angebotsdisziplin
  • Engere Verzahnung von Produktion und Controlling

Transformation und Wachstum

  • Entwicklung neuer Geschäftsfelder
  • Aktive Kundenakquise
  • Enge Kommunikation und Einbindung der Organisation im Veränderungsprozess

Dieser strukturierte Ansatz stellte sicher, dass operative Exzellenz, wirtschaftliche Steuerung und Führung gleichzeitig verbessert wurden.

Wie wurde der Betriebsübergang gemäß § 613a BGB erfolgreich umgesetzt?

Der Betriebsübergang stellte einen kritischen Erfolgsfaktor dar und wurde nicht nur rechtlich, sondern vor allem operativ professionell umgesetzt.

Erfolgsfaktoren waren:

  • Sicherstellung der Lieferfähigkeit während des Übergangs
  • Klare Kommunikation gegenüber Mitarbeitenden und Kunden
  • Stabilisierung der Organisation parallel zum laufenden Betrieb
  • Vermeidung von Produktionsunterbrechungen und Personalverlusten

Das Ergebnis:

  • Reibungsloser Übergang ohne operative Störungen
  • Kein signifikanter Verlust von Mitarbeitenden
  • Erhalt des Vertrauens von Belegschaft und Kunden

Damit wurde ein häufig unterschätzter Risikofaktor im Turnaround aktiv in eine Stärke verwandelt.

Welche Ergebnisse wurden durch die Restrukturierung erzielt?

Die Maßnahmen führten zu einer klar messbaren wirtschaftlichen und operativen Verbesserung.

Wirtschaftlicher Turnaround

  • EBITDA-Verbesserung von –12 % auf +7 % (+19 Prozentpunkte)
  • Positives EBITDA bereits ab Anfang 2024

Operative Leistungssteigerung

  • Produktionsleistung: +20 %
  • Effizienz: +15 %
  • Liefertreue im Projektgeschäft: von 82 % auf 96 %

Strukturelle Verbesserungen

  • Einführung eines einheitlichen KPI-Systems für volle Transparenz
  • Deutlich verbesserte Entscheidungsfähigkeit von Management und Vorstand
  • Nachhaltige Verzahnung von Produktion und kaufmännischer Steuerung
  • Etablierung einer stabilen, margenorientierten Kalkulations- und Preislogik

Der Standort wurde nicht nur stabilisiert, sondern strukturell neu ausgerichtet und auf nachhaltiges Wachstum vorbereitet.

FAQHäufig gestellte Fragen

Typische Ursachen sind mangelnde Kostentransparenz, ineffiziente Produktionsprozesse, fehlende Steuerungssysteme, komplexe Projektstrukturen sowie unzureichende Verzahnung zwischen operativen und kaufmännischen Bereichen.

Ein operativer Turnaround kann – abhängig von Komplexität und Ausgangssituation – zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren dauern. Erste messbare Verbesserungen (z. B. EBITDA, Effizienz) sind oft bereits innerhalb von 6–12 Monaten sichtbar.

Ein COO übernimmt die operative Gesamtverantwortung, stabilisiert das Tagesgeschäft, implementiert Steuerungssysteme und sorgt für die konsequente Umsetzung von Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung.

Der Projektleiter

Dipl.-Ing. (FH) Hans-Dieter Vetter

Partner

+49 171 2655547vetter@fup-ag.com