Manager im FokusVeit Velten
Mit unserer neuen Reihe „Manager im Fokus“ stellen wir unsere Partner persönlich vor und geben Einblicke in ihre Werdegänge, Erfahrungen und Arbeitsweisen im Interim Management.
Den Auftakt macht Veit Velten: Ob Restrukturierung, Transformation oder operative Neuausrichtung, er wird dort eingesetzt, wo Unternehmen unter Druck stehen und schnelle, wirksame Lösungen gefragt sind. Mit langjähriger Führungserfahrung im Maschinen- und Anlagenbau sowie internationalen Stationen, unter anderem in China, bringt er die notwendige Kombination aus strategischem Verständnis und konsequenter Umsetzungskompetenz mit.
Im Interview gibt er Einblicke in seinen Werdegang, seine Motivation und die Herausforderungen, die Unternehmen heute wirklich bewegen.
Persönlicher Werdegang & Motivation
Bitte beschreibe kurz deinen beruflichen Werdegang in wenigen Stationen.
Nach meinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der TU Ilmenau habe ich meine Karriere bei der FEV GmbH begonnen, wo ich fast zehn Jahre lang im Prüfstandsbau tätig war – zunächst als Projektmanager, dann als Teamleiter und schließlich als Business Unit Leiter. Besonders prägend waren meine vier Jahre in China, wo ich eine Business Unit restrukturierte und deutsche Qualitätsstandards unter völlig anderen kulturellen Bedingungen eingeführt habe. Anschließend übernahm ich in Deutschland verschiedene Führungsrollen, unter anderem als Director Operations und Geschäftsführer im Maschinen-, Anlagen- und Stahlbau. Heute begleite ich als Interim Manager mittelständische Unternehmen zum Beispiel in Restrukturierungs-, Sanierungs- und Transformationsphasen.
Wie bist du erstmals mit Interim Management in Berührung gekommen?
Tatsächlich war mein Einstieg eher organisch: Zu Beginn meiner Zeit in China wurde ich mehrfach kurzfristig eingesetzt, um kritische Projekte zu stabilisieren – im Grunde klassische Interim-Einsätze, nur damals noch nicht so genannt. Schon da habe ich gemerkt, dass mir genau solche Situationen liegen: wenn Geschwindigkeit, Entscheidungsstärke und Pragmatismus gefragt sind. Bis zum ersten Mandat als Freiberufler hat es dann aber noch etwas gedauert.
Was war der entscheidende Moment oder Auslöser, dich für diesen Weg zu entscheiden?
Der Entschluss fiel, als ich gesehen habe, wie stark der Mittelstand unter komplexen Strukturen und fehlender Umsetzungsstärke leidet. Viele Unternehmen wissen strategisch, was zu tun ist – aber ihnen fehlt in der Krise die Kraft, es anzupacken. Vor allem wissen viele Unternehmer und Geschäftsführer gar nicht genau, welche Verpflichtungen sie mit ihrer Funktion eigentlich eingehen. Als Interim Manager kann ich genau dort ansetzen: Ich übernehme Verantwortung, bringe Struktur in das Chaos und führe Teams wieder in die Handlungsfähigkeit. Außerdem helfe ich Geschäftsführern dabei, Strukturen und Reporting so aufzubauen, dass Haftungsrisiken im Ernstfall so gering wie möglich bleiben. Im besten Fall kommt es natürlich gar nicht erst so weit. Vor allem meine Erfahrungen in der Festanstellung und als Unternehmer, verbunden mit meiner Liebe zur Projektarbeit, haben mich schließlich dazu gebracht, diesen Weg einzuschlagen.
Interim Management im Alltag
Welche Art von Mandaten übernimmst du typischerweise?
Ich werde gerne in Situationen gerufen, in denen es ernst wird – bei Restrukturierungen, Sanierungen, operativen Transformationen oder auch mal bei der Rettung komplexer oder festgefahrener Projekte. Ich übernehme dabei Rollen als CEO, CRO, COO oder Projektleiter, wenn Prozesse neu aufgesetzt, Kosten gesenkt oder ganze Geschäftsbereiche reorganisiert werden müssen. Neben der Sanierung spielt auch das Thema Operational Excellence eine große Rolle – also die nachhaltige Verankerung von Effizienz und Qualität in den täglichen Abläufen.
Was macht dir an deiner Arbeit als Interim Manager besonders Freude?
Mich begeistert an meiner Arbeit als Interim Manager, dass jedes Mandat neue Aufgaben, Branchen und Menschen mit sich bringt. Genau daraus entsteht Energie. Wenn man dann recht schnell sieht, wie durch klare Strukturen und gemeinsame Lösungen wieder Ruhe und positive Energie ins Unternehmen zurückkehren, ist das für mich der schönste Teil der Arbeit.
Welche Herausforderungen sind typisch – und wie begegnest du diesen?
Die größte Herausforderung ist meist, Vertrauen zu gewinnen – schnell und nachhaltig. Ich komme in Unternehmen, die unter Druck stehen, in denen Fehler passiert sind und die Stimmung angespannt ist. In solchen Momenten hilft kein PowerPoint, sondern Haltung: zuhören, anpacken, Ergebnisse liefern. Vertrauen entsteht durch Taten, nicht durch Titel oder eine Flut von PowerPoint-Folien, die dann nur von einem Berater übergeben, aber nicht nachhaltig umgesetzt werden – das ist übrigens der ganz große Vorteil von Interim Managern gegenüber Unternehmensberatern, denn wir malen nicht nur bunte Folien, sondern setzen deren Inhalte auch um.
Werte & Arbeitsweise
Für welche Werte, Prinzipien oder Führungsstile stehst du persönlich?
Ich stehe für Klarheit, Konsequenz und Verantwortung. Mein Führungsstil ist situativ, aber immer geprägt von Transparenz und Respekt. Ich verlange viel, aber ich unterstütze auch. Für mich ist Führung kein Selbstzweck, sondern immer der Sache verpflichtet. Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein, Kommunikation ehrlich und Umsetzung verbindlich. Ich glaube, dass Teams dann am besten funktionieren, wenn sie verstehen, warum etwas getan wird – nicht nur, was getan wird.
Was schätzen Kunden besonders an deiner Herangehensweise?
Antwort: Viele sagen, ich bringe Ruhe in chaotische Situationen. Ich arbeite strukturiert, pragmatisch und mit technischem Verständnis – ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren. Ich höre zu, bevor ich beurteile. Und ich handle, bevor Probleme eskalieren. In schwierigen Phasen erwarten Auftraggeber jemanden, der nicht nur analysiert, sondern auch Verantwortung übernimmt – genau das tue ich.
Gibt es ein konkretes Projekt oder Ergebnis, auf das du besonders stolz bist?
Das lässt sich schwer auf ein einzelnes Projekt reduzieren, denn ich habe schon viele Projekte erfolgreich abgeschlossen, die alle ihren eigenen Reiz hatten. Besonders freut es mich aber, wenn ein Projekt direkten Mehrwert für ein Unternehmen schafft – oder sogar für einen konkreten Menschen, etwa einen Geschäftsführer oder Gesellschafter, der sein Lebenswerk schon zerbrechen sah. Wenn ich solche Situationen abwenden kann, macht mich das besonders stolz.
Welcher Satz beschreibt deine Haltung als Führungskraft am besten?
Führung heißt für mich, Klarheit zu geben, Verantwortung zu übernehmen und Richtung zu halten. Gute Führung erkennt man daran, dass Teams auch ohne ständige Kontrolle zuverlässig liefern, weil sie verstanden haben, wohin die Reise geht.
Blick in die Zukunft & Inspiration
Welche Trends siehst du aktuell für deine Branche oder das Interim Management allgemein?
Das Interim Management wird strategischer. Früher ging es oft um reine Überbrückung – heute sind Interim Manager echte Transformationstreiber. Themen wie Effizienzsteigerung, Digitalisierung und Restrukturierung werden immer komplexer, und Unternehmen suchen Partner, die Verantwortung übernehmen können, statt nur zu beraten. Außerdem sehe ich, dass emotionale Intelligenz in Krisenphasen zunehmend wichtiger wird – gerade im Mittelstand, wo persönliche Beziehungen oft den Ausschlag geben.
Hast du einen Rat für junge Führungskräfte oder Kollegen, die den Einstieg in das Interim Management erwägen?
Wer ins Interim Management einsteigen möchte, sollte sich zuerst klar positionieren: Wo liegt mein konkreter Mehrwert, in welcher Branche und in welcher Situation? Dann gilt es, Sichtbarkeit und Reputation aufzubauen – etwa durch Networking in Verbänden oder auf Veranstaltungen oder den Anschluss an eine Sozietät wie F&P Executive Solutions AG, die erfahrene Interim Manager unter einer starken Marke bündelt. Entscheidend ist, sich als Unternehmer auf Zeit zu verstehen: spezialisiert, professionell vorbereitet und mit klarer Haltung. Man muss sich selbst verkaufen können und auch damit umgehen, wenn mal kein Mandat – und damit kein Einkommen – da ist. Und ehrlich gesagt: Die aktuelle Zeit ist nicht unbedingt die leichteste, um diesen Karriereschritt zu gehen. Wer den Schritt ins Interim Management nur als Lückenfüller zwischen zwei Festanstellungen oder als ruhigen Ausklang vor der Rente sieht, sollte sich eher für einen anderen Weg entscheiden.
Gibt es ein Buch, Zitat oder ein Hobby, das dich inspiriert und begleitet?
Mich inspiriert gerade vor allem mein Training im Fitnessstudio – ich trainiere derzeit sechs Mal pro Woche und lasse auch neben der fordernden Arbeit im Mandat kaum eine Einheit aus. Diese Disziplin und Ausdauer wirken direkt auf meine Arbeit: Körperliche Stärke und Fitness schaffen mentale Klarheit, und die Konsequenz im Training überträgt sich auf meine Führungs- und Entscheidungsstärke im Mandat.
